Du erfährst, was du als neue Führungskraft in den ersten Wochen zuerst tust, welche Gespräche du führst und mit welchen Sätzen du deinem Team begegnest.
Stell dir vor, es ist dein erster Montag als Teamleiterin. Vielleicht warst du bis letzte Woche noch Kollegin im selben Team. Vielleicht kommst du von außen. Heute stehst du vor der Frühbesprechung. Dein Team schaut dich an. Einige sind neugierig. Andere warten ab, was du jetzt verändern wirst. Du spürst den Druck, gleich etwas bewirken zu müssen.
Dieser Druck ist normal. Er verleitet viele neue Führungskräfte zu einem typischen Fehler. Sie wollen in den ersten Tagen beweisen, dass sie die Stelle verdient haben. Also ändern sie Abläufe, verteilen Aufgaben neu und erklären ihre Pläne. Das Team hört höflich zu und zieht seine eigenen Schlüsse. In diesem Beitrag erfährst du, was du in den ersten Wochen zuerst tust, welche Gespräche du führst und welche Sätze dir dabei helfen.
Was in den ersten Wochen im Team passiert
Dein Team beobachtet dich genau. Jede kleine Entscheidung wird gedeutet. Die Leute merken sich, wie du auf die erste Beschwerde reagierst und ob du morgens jeden grüßt. Im Hintergrund stellen sie sich drei Fragen. Nimmt sie mich ernst? Ist sie fair? Kann ich ihr vertrauen?
Diese Fragen beantwortest du mit deinem Verhalten, Woche für Woche. Gleichzeitig fehlt dir noch Wissen. Du kennst die Geschichte des Teams nicht, die alten Konflikte und die ungeschriebenen Regeln. Deshalb gehört die erste Zeit dem Zuhören. Das Führen lernst du dabei Schritt für Schritt, so wie du früher die Handgriffe deines Berufs gelernt hast. Jedes Gespräch in diesen Wochen ist eine Übungsstunde, in der du ein Stück sicherer wirst.
Die ersten Gespräche mit jedem Einzelnen
Plane in den ersten beiden Wochen ein kurzes Gespräch mit jeder Person in deinem Team. Eine halbe Stunde reicht. In der Werkstatt kann das am Ende der Schicht sein, auf der Station in einer ruhigen Stunde, im Geschäft vor der Öffnung und im Büro bei einem Kaffee. Wichtig ist, dass ihr ungestört seid und niemand mithört.
Beginne mit einem klaren Satz, warum ihr zusammensitzt. Sag zum Beispiel: „Ich bin neu in dieser Rolle und möchte dich kennenlernen. Mich interessiert, wie du deine Arbeit siehst. Heute will ich vor allem zuhören.“
Danach stellst du Fragen und lässt dein Gegenüber reden. Eine gute erste Frage lautet: „Was läuft hier gut, das ich auf keinen Fall kaputt machen sollte?“ Damit zeigst du, dass du das Bestehende achtest. Eine zweite Frage öffnet den Menschen hinter der Aufgabe: „Worauf bist du in deiner Arbeit stolz?“ Die dritte Frage holt sein Urteil ein: „Was würdest du an meiner Stelle als Erstes angehen?“ Mit dieser Frage signalisierst du, dass dich interessiert, wie dein Mitarbeiter denkt. Er merkt daran, dass du ihn ernst nimmst. Du erfährst nebenbei mehr über das Team als aus jeder Übergabemappe.
Schreib dir die Antworten auf. Versprich keine schnellen Lösungen. Wenn jemand ein Problem schildert, sag: „Danke, dass du mir das sagst. Ich schaue mir das an und melde mich bis Ende nächster Woche bei dir.“ Dann hältst du diese Zusage ein. Wenn du am Freitag der nächsten Woche wieder vor deiner Kollegin stehst und ihr sagst, was du herausgefunden hast, merkt sie, dass ihr Hinweis bei dir angekommen ist.
Merk dir auch ein persönliches Detail. Eine Kollegin erzählt von der Prüfung ihrer Tochter, ein Mitarbeiter von seiner Reise im Herbst. Frag ein paar Tage später danach. So merkt dein Gegenüber, dass du ihm zugehört hast.
Sag offen, was du noch nicht weißt
Viele neue Führungskräfte glauben, sie müssten auf jede Frage sofort eine Antwort haben. Wenn du bei einer Frage zum Dienstplan oder zum Bestellablauf herumrätst, sieht dein Team das an deinem Gesicht. Wenn du etwas nicht weißt, sag es klar: „Das weiß ich noch nicht. Wie habt ihr das bisher gelöst?“ Damit gibst du dem Team Verantwortung zurück und lernst gleichzeitig dazu.
Dasselbe gilt für Fehler. In den ersten Wochen wirst du etwas falsch einschätzen. Vielleicht planst du eine Schicht zu knapp oder vergisst eine Absprache. Übernimm dafür die Verantwortung, auch wenn du die Schuld leicht auf die alte Planung schieben könntest. Sag vor dem Team: „Das habe ich falsch eingeschätzt. Ich kläre das und sage euch morgen, wie es weitergeht.“ Ein solcher Satz kostet dich einen Moment Überwindung. Er zeigt deinem Team, dass bei dir Fehler offen auf den Tisch kommen dürfen.
Würdige zuerst, was schon da ist
Dein Team hat vor dir gearbeitet. Es hat Abläufe aufgebaut, schwierige Zeiten überstanden und Lösungen gefunden, die du noch gar nicht kennst. Nenne das, bevor du etwas veränderst. In deiner ersten Teambesprechung kannst du sagen: „Ich habe in den letzten Tagen gesehen, wie ihr die Übergaben organisiert. Das läuft sauber. Das möchte ich so beibehalten.“
Irgendwann willst du etwas ändern. Sprich dann vom Ziel, das du vor Augen hast, und erkläre, warum es dir wichtig ist. Ein Beispiel: „Ich wünsche mir, dass bei Übergaben keine Information verloren geht. Wer nach uns kommt, soll sofort weiterarbeiten können. Was brauchen wir dafür?“ Mit diesem Satz beschreibst du ein Bild, das jeder versteht. Wenn deine Leute sehen, dass es um die Kollegin geht, die nach ihnen weiterarbeitet, schlagen sie oft selbst vor, was sich ändern sollte.
Trau deinen Leuten dabei etwas zu. Sprich mit ihnen so, als könnten sie das gewünschte Niveau schon erreichen. Stell dir einen Mitarbeiter vor, der bisher nur zugearbeitet hat. Du kannst ihn fragen: „Würdest du die Übergabe nächste Woche einmal leiten? Ich traue dir das zu.“ Sprich danach zuerst darüber, was gut gelaufen ist, und erst dann über das, was ihr beim nächsten Mal anders macht.
Wenn du vorher Kollegin im Team warst
Der Wechsel aus dem Team in die Führung ist besonders heikel. Gestern habt ihr gemeinsam über Entscheidungen von oben geredet. Heute triffst du sie selbst. Sprich diese Veränderung offen an, am besten in den Einzelgesprächen. Du kannst sagen: „Wir haben lange nebeneinander gearbeitet. Jetzt habe ich eine andere Aufgabe. Ich will fair zu allen sein, auch wenn das für uns beide manchmal unbequem wird. Sag mir bitte, wenn dich daran etwas stört.“
Vielleicht hat sich eine Kollegin selbst auf die Stelle beworben und begegnet dir jetzt kühl. Warte nicht darauf, dass sie auf dich zukommt. Geh du den ersten Schritt, auch wenn sie es dir gerade schwer macht. Sag zum Beispiel: „Ich kann mir vorstellen, dass die Entscheidung für dich enttäuschend war. Deine Erfahrung ist mir wichtig. Ich würde gern mit dir besprechen, wo du dich einbringen willst.“ Bleib dabei klar in der Sache und freundlich im Ton. Wenn sich ein Konflikt so zuspitzt, dass arbeitsrechtliche Fragen im Raum stehen, ist die Personalabteilung oder eine Rechtsberatung zuständig.
Was du in den ersten Wochen lässt und wie du dich selbst führst
Verzichte in den ersten Tagen auf große Umbauten, solange keine Sicherheit gefährdet ist. Sprich nicht schlecht über deine Vorgängerin, auch wenn das Team es dir anbietet. Versprich nichts, was du allein nicht entscheiden kannst. Zieh dich auch nicht hinter deinen Schreibtisch zurück, wenn es im Team unruhig wird. Gerade dann sollte dein Team dich sehen.
Die ersten Wochen kosten Kraft. Nimm dir deshalb am Ende jeder Woche zehn Minuten für dich. Denk an ein Gespräch zurück, das gut gelaufen ist, und an eines, das du beim nächsten Mal anders führen würdest. Schreib zu beiden einen Satz auf. So lernst du aus der eigenen Woche, ohne dich kleinzumachen.
Nach etwa einem Monat fragst du eine Person aus dem Team, der du vertraust: „Was schätzt du an der Zusammenarbeit mit mir? Was wünschst du dir anders?“ Hör dir die Antwort an, ohne dich zu rechtfertigen. Bedanke dich. Genau dort findest du Hinweise auf blinde Flecken, die du selbst nicht siehst.
Wenn du morgen ins Team gehst, nimm dir ein einziges Einzelgespräch vor. Stell die Frage, was gut läuft und erhalten bleiben soll. Schreib die Antwort auf und melde dich bis Ende nächster Woche mit einer Rückmeldung.
Leadwords gibt dir für solche Gespräche die passenden Worte für deine konkrete Situation.
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