Autoritär, kooperativ, Laissez-faire und situativ: wann welcher Führungsstil passt und wie du den Stil im Gespräch wechselst.
Führungsstile beschreiben, wie eine Führungskraft Entscheidungen trifft und das Team einbindet. Klassisch sind der autoritäre, der kooperative und der Laissez-faire-Stil, dazu kommt das situative Führen. Kein Stil passt immer. Entscheidend ist, dass du ihn zu Aufgabe und Mensch passend wechselst.
Die Stile im Überblick
Ein Führungsstil beschreibt, wie du Entscheidungen triffst und wie stark du dein Team daran beteiligst. Die klassische Einteilung kennt drei Stile. Beim autoritären Stil entscheidest du allein. Beim kooperativen entscheidest du mit dem Team. Beim Laissez-faire-Stil überlässt du die Entscheidung dem Team. Dazu kommt das situative Führen, das keinen festen Stil vorschreibt, sondern verlangt, ihn je nach Mensch und Aufgabe zu wechseln.
Wie schnell du entscheidest, wie viel Verantwortung beim Team liegt und wie sehr das Team deine Entscheidung mitträgt, ändert sich mit dem Stil. Keiner ist von vornherein gut oder schlecht. Ob er passt, entscheidet sich an der Lage.
Der autoritäre Stil passt, wenn schnell und eindeutig gehandelt werden muss. Der kooperative passt, wenn Erfahrung im Team steckt und die Entscheidung lange gelten soll. Laissez-faire passt bei Fachleuten, die ihr Gebiet besser kennen als du. Situativ zu führen heißt, diese drei je nach Person zu mischen.
Der autoritäre Stil
Die Führungskraft entscheidet allein und sagt dem Team, was zu tun ist. Das spart Zeit und gibt Klarheit. In einer Schicht, in der um 14 Uhr die Lieferung draußen sein muss, ist das die richtige Wahl.
„Bis 14 Uhr muss die Lieferung raus. Ich teile euch jetzt ein, weil für eine Abstimmung keine Zeit bleibt. Heute Nachmittag besprechen wir, was wir daraus lernen.“
Auf Dauer schwächt dieser Stil das Team. Wer nie gefragt wird, hört auf mitzudenken, und Fehler tauchen erst auf, wenn sie teuer geworden sind. Der Stil passt in Notlagen und bei sehr klaren, sicherheitsrelevanten Abläufen. Als Dauerzustand trägt er nicht.
Der kooperative Stil
Die Führungskraft bezieht das Team in Entscheidungen ein, sammelt Vorschläge und entscheidet dann gemeinsam oder nach Anhörung. Das kostet Zeit am Anfang und spart sie später, weil die Beschlüsse im Alltag mitgetragen werden.
„Wir haben drei Möglichkeiten, den Dienstplan im Dezember zu ändern. Welche würdet ihr wählen, und was spricht dagegen?“
Der Stil setzt voraus, dass das Team Erfahrung hat und dass es etwas zu entscheiden gibt. Wer abstimmen lässt und das Ergebnis dann ignoriert, verliert schneller Vertrauen, als wenn er gleich selbst entschieden hätte.
Der Laissez-faire-Stil
Die Führungskraft gibt Ziele vor und überlässt den Weg dem Team. Bei erfahrenen Fachleuten, die ihr Handwerk besser kennen als du, ist das ein Zeichen von Vertrauen.
„Du kennst die Kundin und den Auftrag besser als ich. Entscheide du, ich bin erreichbar, wenn du mich brauchst.“
Fehlt die Erfahrung, bleibt ein neuer Kollege mit einer Aufgabe allein, die er nicht lösen kann. Fehlt das Ziel, arbeitet jeder in eine andere Richtung. Laissez-faire heißt, das loszulassen, was ein anderer besser kann. Das Ziel behältst du im Blick.
Situatives Führen
Das situative Führen sagt, dass kein Stil für alle Menschen und Aufgaben passt. Du richtest deinen Stil danach aus, wie gut jemand die Aufgabe kann und wie sehr er sie will. Ein neuer Mitarbeiter braucht klare Anweisungen. Eine erfahrene Kollegin braucht Spielraum. Dieselbe Person braucht bei einer neuen Aufgabe wieder mehr Anleitung als bei einer, die sie seit Jahren erledigt.
„Ich zeige dir die ersten drei Fälle. Beim vierten machst du es und ich schaue zu. Ab dem fünften entscheidest du, ob du mich dazuholst.“
In der Praxis wechselst du den Stil mehrmals am Tag, oft ohne es zu merken. Hilfreich ist, es bewusst zu tun und es dem Team zu sagen.
Welcher Stil passt zu dir
Die meisten Führungskräfte haben einen Stil, in den sie fallen, wenn es eng wird. Der eine übernimmt dann selbst und gibt Anweisungen, der andere hält sich zurück und hofft, dass es sich löst. Frag dich nach dem letzten Termindruck in deinem Team, was du in der ersten Stunde getan hast. Das zeigt deinen Stil unter Druck besser als jeder Test.
Frag anschließend zwei Menschen aus deinem Team, wie sie dich in dieser Woche erlebt haben. Ihre Antwort deckt sich selten mit deinem Bild von dir. Genau diese Abweichung ist nützlich.
Den Stil im Gespräch anpassen
Ein Wechsel des Stils fällt auf. Wer sonst fragt und von einem Tag auf den anderen anweist, überrascht sein Team. Sag deshalb dazu, was du tust und warum.
„Letzte Woche habe ich dir die Reihenfolge vorgegeben, weil der Termin drängte. Das war meine Entscheidung. Wo möchtest du ab jetzt mehr selbst bestimmen?“
Das Gespräch funktioniert, weil du benennst, was passiert ist, und dem anderen Raum gibst, seinen Teil zu sagen. Du musst dafür nicht dein ganzes Führungsverständnis erklären.
Wenn zwei Stile aufeinandertreffen
Schwierig wird es, wenn dein Stil und die Erwartung deines Teams nicht zusammenpassen. Ein Team, das jahrelang klare Ansagen gewohnt war, empfindet Fragen zunächst als Unsicherheit. Es fragt sich, warum die Führungskraft nicht einfach sagt, was gilt. Ein Team, das mitentscheiden will, empfindet dieselben Ansagen als Misstrauen.
Wenn du deinen Stil änderst, kündige es an und gib dem Team Zeit. Rechne mit mehreren Wochen, bis es die neue Art zu führen als normal ansieht. In dieser Zeit fragen manche öfter nach, andere warten ab. Beides sind Reaktionen auf die Veränderung. Eine Aussage über dich sind sie noch nicht.
Typische Fehler beim Wechsel
Der häufigste Fehler ist, zu früh zu viel Freiheit zu geben. Eine neue Kollegin bekommt in der zweiten Woche den ganzen Bereich und merkt nach einem Monat, dass sie die Regeln des Hauses nicht kennt. Der zweite Fehler ist das Gegenteil. Eine langjährige Mitarbeiterin wird bei jeder Kleinigkeit kontrolliert und zieht sich zurück. Der dritte Fehler ist, den Stil nach Sympathie zu wählen. Wer mit dem einen gut kann, bekommt Spielraum, wer anstrengend ist, bekommt Anweisungen. Das Team sieht es und rechnet es dir an.
Dein nächster Schritt
Such dir eine Person aus deinem Team, mit der du seit Wochen im gleichen Muster arbeitest. Überleg, ob sie mehr Anleitung braucht oder mehr Spielraum, als du ihr gibst. Sprich es im nächsten Mitarbeitergespräch an.
Leadwords hilft dir, deine Führungssituation durchzusprechen und die passenden Worte zu finden.
Mehr dazu auf der Themenseite: Selbstführung: Delegieren, Prioritäten, die eigene Rolle →